Was tun mit AVI?

Vom eingescannten Dia zum Video-Film

Achim Maier, Februar 1998

Mit der neuesten Demo-CD von Stumpfl`s Wings 3.54 wurden uns bereits fertige AVI-Dateien und auch sonst noch interessante Daten. Wings, Imagix und auch bald auch alle anderen Steuersoftware bieten die Möglichkeit aus den digitalisierten Dias im Computer, Überblendschauen zu berechnen. Diese AVI-Dateien könne dann von allen Windows-Rechner auch ohne extra Diasteuerprogramme wiedergegeben werden.
 

Bis es aber soweit ist, sind einige Vorbereitungen notwendig. Gehen wir einmal davon aus, dass die Überblend-Programmierung und das Vertonen keine Probleme bereitet. Wie kommen aber die Dias in den Computer?

Snappy ist immer noch die rationellste Lösung

Der von mir favorisierte Weg, wenn es darum geht einfach und schnell, Dias zu scannen ist immer noch mit Hilfe des Video-Frame-Grabbers "Snappy" und einer Videokamera. Dabei kann ein ganzes Magazin ( bis 140 Dia´s) unter der automatischen Steuerung von Stumpfl Wings, auf einen Rutsch abfotografiert werden. Der unschöne "Hot-Spot-Effekt" ( Mitte überstrahlt) lässt sich etwas minimieren, wenn man direkt in den Diaprojektor auf das Dia filmt oder fotografiert. Damit ist zumindest die Vignettierung des Projektionsobjektives umgangen aber man braucht bereits eine Kamera mit Makroeinrichtung. Zudem habe ich eine Milchglasfilter eingeschoben um die Lichtverteilung zu optimieren.
 

Diese Sätze habe ich im Februar 1998 geschrieben, heute im September 2005 gibt es eine kommerzielle Lösung bei Foto-Brenner, welche bei http://www.fotonovum.de/ hergestellt wird. Auch diesen Vorsatz kann man mit dem kostenlosen Wings Platinum benutzen und hat außer der Automatik für den Diatransport, der  Kamerauslösung und der Abspeicherung mit Nummernvergabe, auch noch eine Korrekturmöglichkeit des HOT-SPOT-Effektes. Hier das kostenlose Wings Platinum downloaden.
 

 

Einige Beispiel der eingescannten Bilder von der Leinwand abgefilmt. (bitte anklicken)

Will man bessere Qualität so kommt man um einen Diascanner nicht herum. Diese gibt es noch nicht wie Sand am Meer, aber auch hier kommt uns Amateuren der Preisverfall zugute.

Dazu muss man bemerken, dass der kürzlich im AV-Tip(1997) vorgestellte und Hochgelobte Scanner von HP, nach offiziellen Angaben nur Dias in einer Stärke bis 1,9mm einzieht. Wer möchte schon seine ganzen 3mm Rähmchen zum Scanvorgang umrahmen? Mit etwas Gewalt soll er aber auch dickere Rahmen schlucken und wäre dann vom Preis - Leistungsverhältnis gesehen ganz brauchbar. ( Lebensdauer nicht mit eingerechnet)

Einer der interessantesten Scanner, sowohl von der Qualität her als auch von der Unterstützung z.B. durch Wings ist der Nikon LS 20. Ihn gibt es sowohl intern als auch extern und als Extra bekommt man die Super-Software "Silverfast" mit dazu. ( Quelle Fa. MeDIA-Maier )

AVI-Files berechnen                    

Sind die Dias dann im Computer kann man entweder die ganze Schau oder neuerdings mit Wings auch nur bestimmte Teile einer Schau als AVI-Datei berechnen lassen. Dazu setzt man in einer Systemspur einfach das "Video Rec" und das "Video Stop"-Symbol.

Da Bildgröße und Bildformat in Wings völlig frei festgelegt werden können, bietet diese Funktion ein sehr breites Anwendungsspektrum. Von Videos in kleiner Auflösung (z.B. für das Internet) bis hin zu Videos in HighEnd-Auflösung ist alles möglich.

Die Video-Datei wird auf Basis einer eingestellten Leinwand auf dem Monitor erstellt. Das heißt, dass sich nachher im Video präzise das befindet, was in dem offenen Preview-Fenster während der Schau zu sehen ist.

Da bei einem Film etwa 20 Bilder pro Sekunde benötigt werden, fallen bei der Video-Erstellung per Rechner enorme Datenmengen an. Daher hat man sich Gedanken darüber gemacht, wie man diese Datenflut begrenzen kann und die Video-Compressoren oder auch Video-Codecs (von Compressor/Decompressor) entwickelt. Dabei handelt es sich um Software, welche die Tatsache ausnutzt, dass in einem Video in aller Regel aufeinanderfolgende Bilder relativ ähnlich zueinander sind. Somit speichern diese Codecs größtenteils nur die Unterschiede zwischen aufeinanderfolgenden Bildern ab, was die Datenmenge meist drastisch reduziert. Dieser Vorteil wird jedoch nicht ohne Nachteile erkauft. Generell gilt, dass jeder Codec die Bildqualität verschlechtert und den Rechenaufwand zur Erstellung und zur Wiedergabe eines Videos vergrößert. In welchem Umfang diese Eigenschaften zum Tragen kommen, hängt sehr stark von der Wahl des Codecs ab. Daher finden Sie nachfolgend einige Erfahrungen, die wir mit unterschiedlichen Video-Codecs gesammelt haben. Wenn Sie Windows 95 oder Windows NT 4.0 installiert haben, so befinden sich bereits einige Video-Codecs auf Ihrem Rechner. Zusätzlich können Sie weitere installieren. Dabei müssen Sie sich darüber im Klaren sein, dass zur Wiedergabe eines Videos in der Regel derselbe Codec benötigt wird, der auch für die Berechnung benutzt wurde! Gegebenenfalls müssen Sie also einen passenden Codec mit Ihrem Video zusammen liefern.

Codecs für AVI-Videos aus Wings

Microsoft Video 1: Dieser Codec ist in Windows 95/NT enthalten. Er ist relativ schnell, reduziert jedoch intern die Farbtiefe auf 16 Bit (65.000 Farben). Dadurch eignet er sich schlecht für flächige Farbverläufe (z.B. Himmel). Kleine Strukturen gibt dieser Codec jedoch recht gut wieder. Auch bei der Wiedergabe benötigt dieser Codec vergleichsweise wenig Rechenleistung.

Mit einer "Max. Datenrate" legen Sie fest, welche Datenrate das erstellte Video bei der Wiedergabe maximal beanspruchen darf. Dies ist eine sehr wichtige Größe, die von dem Rechner abhängt, auf dem das Video abgespielt werden soll. Meist ist es sinnvoll, die Videodateien auf CD-ROM zu brennen. Daher ist meist die Lesegeschwindigkeit des CD-ROM-Laufwerkes ausschlaggebend für diesen Wert. Dabei gilt die Faustregel, dass die Geschwindigkeit des Laufwerkes multipliziert mit 150 kB/s etwa der maximalen Datenrate entspricht. Ein altes Doublespeed-Laufwerk bringt also etwa 300 kB/s, ein neueres Laufwerk mit achtfacher Geschwindigkeit liefert etwa 1200 kB/s. Da die Videodaten nicht nur gelesen, sondern auch vom Prozessor verarbeitet werden müssen, sollten Sie die maximale Datenrate immer niedriger ansetzen als die Geschwindigkeit des CD-ROM-Laufwerks. Außerdem müssen Sie bedenken, dass zur Video-Datenrate noch die für den Ton benötigte Datenrate (s.u.) addiert werden muß.

Die Einstellung bei "Keyframes" bedeutet folgendes. Videodateien bestehen in aller Regel aus sogenannten Keyframes und Deltaframes. Keyframes sind Bilder im Video, welche die gesamte Bildinformation enthalten. Alle anderen Bilder (Deltaframes) beinhalten lediglich die Differenzinformation zum vorhergegangenen Bild. Mit dieser Einstellung können Sie also festlegen jedes wievielte Bild jeweils ein Keyframe sein soll. Je kleiner der Wert, um so mehr Keyframes befinden sich im Video, um so besser lässt sich durch das Video scrollen und um so größer wird das Video.

Bei "Bildfrequenz" stehen drei verschiedene Bildfrequenzen im Wings-AVI-Menü (20, 10 und 5 Bilder/Sekunde) zur Auswahl. Je höher die Bildfrequenz, um so flüssiger wirken die Überblendungen. Mit wachsender Bildfrequenz nehmen jedoch auch der Speicherplatzbedarf der Videodatei und die für die Wiedergabe benötigte Rechenleistung zu.

Wenn Sie Ihre Schau mit der empfohlenen Samplingfrequenz von 44.1 kHz erstellt haben, können Sie bei "Audio-Einstellungen" weitreichenden Einfluss auf die Tonqualität des Videos nehmen. Generell gilt: Je niedriger die Tonqualität, um so kleiner wird die Video-Datei und um so niedriger wird die für den Ton benötigte Datenrate. Dazu einige Werte: Ton in CD-Qualität (44 kHz, 16 Bit, Stereo) benötigt rund 176 kB/s. Jede Verringerung der Tonqualität bewirkt eine Halbierung der Datenrate. So benötigt beispielsweise Ton mit 22 kHz, 8 Bit, Mono nur noch 22 kB/s. Dies ist nur noch ein Achtel der ursprünglichen Datenrate, da die Datenrate dreimal halbiert wurde.

Sobald Sie diesen Konfigurationsdialog mit "OK" verlassen, beginnt Wings mit der Berechnung der Video-Datei. Diesen Vorgang können Sie auf dem Bildschirm mitverfolgen. Die für die Berechnung benötigte Zeit hängt sehr stark von vielen Faktoren wie Video-Compressor, Bildqualität, Auflösung, Anzahl der Projektoren, Leistungsfähigkeit des Rechners, Länge der Schau etc. ab. Die benötigte Zeit kann zwischen einigen Sekunden und vielen Stunden liegen. Sie können daher die Videoberechnung jederzeit abbrechen. In einem solchen Fall wird das Video an diesem Punkt abgeschnitten. Die bereits berechneten Sequenzen sind also im Video enthalten sind und können auch wiedergegeben werden.

Die Wiedergabe eines AVI-Videos starten Sie einfach durch Doppelklick auf die gewünschte AVI-Datei im Windows-Explorer. Voraussetzung dafür ist die korrekte Installation von Video für Windows oder Active Movie. Beides ist in neueren Versionen von Windows 95 bzw. Windows NT 4.0 bereits enthalten.

So nun habe wir es geschafft unsere AVI-Datei liegt als ganz normale Computerdatei vor und wir könne sie kopieren und auf Datenträger bringen um damit auch anderen Personen unsere Computer-Diaschau zugänglich zu machen. ( Von der Möglichkeit Videobänder für Videorecorder zu bespielen wollen wir ein anderes mal sprechen )

AVI-Files mittels Autorenprogramme einbinden

Für mein Empfinden fehlt jetzt aber noch etwas. Wir haben uns so viel Mühe mit der Diaschau gemacht und nun soll sie so nackt aus dem Explorer raus ablaufen? Im Hintergrund vielleicht noch der störende Menübaum? Ein adäquater Rahmen muss her. Bei meiner Suche nach diesem bin ich auf so genannte Autorenprogramme oder –Systeme gestoßen. Diese erlauben aus einzelnen Computerbilder, Tönen, AVI-Dateien, ein interaktives Ganzes zu machen. Ihnen als Computerbesitzer sind solche Programme schon massenhaft begegnet. Alle CD-Rom-Präsentationen, viele Kinderspiele, alle Lexikas auf CD, bedienen sich einer solchen Software. Ob es eine Demo von Opel oder die neueste Software von AOL bzw. T-Online ist, alle CD`s wurden mit Hilfe eines Autorenprogramms erstellt. Die verbreitetste Software unter ihnen ist sicherlich der Director von Macromedia. Schauen Sie sich Ihre CD´s mal an. Das Symbol des weißen M´s mit der Umrandung aus 4 farbigen Ecken ist Ihnen bestimmt schon mal begegnet. Ein tolles Programm mit dem fast alles Möglich ist. Eine einfache Programmiersprache "Lingu" unterstützt die Profis. Für Profis ist auch der Preis mit ca. DM 2500,-. Ähnlich gut und teuer ist ToolBoock von Asymetrix. Für uns Amateure gibt es aber durchaus Alternativen. Zwei sehr gute Sharewareprogramme möchte ich kurz erwähnen.

Zunächst das Programm AFS-Multimediaprogrammer 98 für DM 149,- und Mediator 4.0 für DM 99,95. (Quelle Fa. MeDIA-Maier) Beide Programme erlauben es mit unglaublicher Leichtigkeit, Multimedia-Abläufe ohne irgendwelche Programmierkenntnisse zu schreiben. Bereits am ersten Abend hat man seine erste Präsentation fertig, in welcher dann originell eingebunden auch unser AVI-File ablaufen kann. Es ist natürlich selbstverständlich, dass auf Mausdruck alle Daten auf CD gebrannt werden können, welche dann beim Betrachter automatisch anläuft.

Nun sind wir momentan aber noch ein Dia-Verein und ich bin mir nicht sicher ob es genügend Leser interessiert, einmal etwas über die Arbeit mit diesen Autorenprogrammen zu lesen. Bitte melden Sie sich bei mir.

Ein Dia hat 25 Millionen Pixel

Vielleicht noch ein paar Zahlen zum Schluss. Ein gutes Dia hat ungefähr 25 000 000 Pixel bei einer Realfarbtiefe von 36 Bit. Ein Standart-AVI-File hat gerade mal 30.000 bis 100.000 Pixel bei 16-24Bit Farbtiefe und zusätzlichen Kompromissen in der Tonqualität. Solange das noch so ist sollten wir keine Kompromisse machen, höchstens Ergänzungen.

MeDIA-Maier Feb. 1998





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